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phýsis (Epikur)
materialistischer Atomismus; Welt ist Resultat des Zufalls
phýsis (Stoa)
Pantheisten (Gott und die Welt substantiell ident). Materie unbegrenzt teilbar. λόγος (Weltvernunft). πνεῦμα (Geistfeuer)
psychḗ (Thales)
Alle Dinge haben eine Seele (Panpsychismus).
psychḗ (Pythagoras)
Ursprung des Dualismus: Seele existiert als eigent- liches Selbst abgetrennt vom Leib. Wiedergeburt, Totengericht, „Selbstvergottung“ des Menschen. Philosophie als θεράπεια τῆς υστῆς: Rückkehr zum Göttlichen durch Wissenschaft und Askese.
psychḗ (Sokrates)
Sorge um die Seele (ἐπιμέλεια τῆς υστῆς).
psychḗ (Platon)
strikter Dualismus körperl. vs. unkörperl. Welt mit großer Nachwirkung in MA und NZ. Phaid.: Körper ist Gefängnis und Fessel der Seele. Unsterblichkeitsbeweise: 1. Lernen ist Wiedererinnerung; 2. Seele erkennt als selbst Ewiges die ewigen Ideen; 3. Da die Seele Leben gibt, kann sie nicht selbst sterben. Rep.: 3 Teile der Seele: 1. Geist (νοῦς), 2. Mut (θσμοειδής), 3. Begehren (ἐπιθσμητικόν). Parallel dazu: Kardinaltugenden; Stände im Staat; Seelenwagen (Phaidr. 246aff). Tim.: Weltseele (υστή τοῦ παντός).
psychḗ (Aristoteles)
erstmals ganzes Werk über die Seele. υ. ist Form und erste Vollendung (ἐντελέτεια) des Körpers und zerfällt mit dessen Tod; Ausnahme: Geist (νοῦς). Überwindung des Dualismus: υ. immateriell, aber nicht selbstständig. 3 Teile: vegetativ; animalisch; vernünftig. Ethik: υ. λόγον ἔτφν vs. υ. ἄλογος.
psychḗ (Stoa)
υ. als warmer Hauch (materialistisch!). Einzelseele nicht unsterblich. Ähnlich Epikur.
psychḗ (Plotin)
υ. als selbständige Substanz neben dem Einen und dem Geist.
psychḗ (Skeptiker)
stellen als einzige die Seele überhaupt in Frage
práxis (Sokrates, Platon)
gut handeln (εὖ ππάηηειν) bringt Lebensglück; letztes Ziel: das Gute an und für sich. Gegensätze π. – λόγορ, π. – ποίηζιρ; ἐπιζηήμαι (Wissenschaften): ππακηικοί vs. γνωζηικαί
práxis (Aristoteles)
π. ein häufig verwendeter Grundbegriff. π. ist das Ziel oder trägt es in sich (Unterschied zur Hervorbringung = ποίηζιρ). π. findet sich in der gesamten Natur: Metaph. XII: Nur der unbewegte Beweger ist ohne π.; das nach Vollkommenheit strebende (ὄπεξιρ) Bewegtsein (κίνηζιρ) alles anderen Seienden ist π. Die menschliche π. beruht auf freier Entscheidung (πποαίπεζιρ) und ist Verwirklichung (ἐνέπγεια im Gegensatz zu κίνηζιρ); hier erstrebt der Mensch das Ziel (ηέλορ) aller Ziele: εὐδαιμονία, die sich in der guten Lebensform vollzieht (praktisch-politische Lebensform). Ἐπιζηήμαι ππακηικαί: Ethik und Politik.
práxis (Stoa)
Handlungen sind unkörperlich, daher nicht real; sind bloß Prädikate (καηηγόπημα).
ḗthos
Nach dem Aufkommen des Wortes ἔθος für die Bedeutung „allgemeine Gewohnheit, Sitten“ schränkt s. die Bedeutung von ἦ. ein auf „individuelle Gewohnheit“.
ḗthos (Platon)
ἤθη καὶ ἔθη sind miteinander verbunden und stützen einander (Leg. XII). Das ἦ. eines Menschen kann auf der Basis von Naturanlagen durch Erziehung zu einem tugendhaften Charakter geformt werden (Rep. II u.ä.).
ḗthos (Aristoteles)
Die ethischen Tugenden (ἠθικαὶ ἀρεηαί) bilden s. aus der Gewohnheit. Charakter ist jene Grundhaltung, die s. im Lauf des Lebens im Verhältnis zu dem eigenen Streben herausbildet und seine Grundausrichtung bestimmt (EN II 1ff). Poietik: ἦ. als dasjenige Moment, das die Einstellung eines Menschen zum Ausdruck bringt. Terminologie: ἠθικὴ θεωρία, ἐν ηοῖς ἠθικοῖς (in den Ethik- Büchern), ἠθικὴ πραγμαηεία.
ḗthos (Stoa, Epikur)
Ethik neben Logik und Physik; Philosophie als Kunst der Lebensführung.
agathón
„guter Mensch“, ursprüngl.: der für seine Polis taugliche Bürger. Moralische Bedeutung erst später. Antike Ethik (eudaimonistisch): das von allen Wesen Erstrebte, Ziel (ηέλος) allen menschlichen Handelns, Garant des geglückten Lebens.
agathón (Sokrates)
gegen die Tendenz der Zeit (Relativismus der Sophistik) will S. konkret das ἀ. bestimmen.
agathón (Platon)
Ethik und Ontologie stark verknüpft. Für den Menschen am wichtigsten ist die Kenntnis der Form (εἶδος, ἰδέα) des Guten (Rep. VΙ). Wie die Sonne allem Sichtbaren Werden und Sichtbarkeit verleiht, so verleiht die Idee des ἀ. allem Seienden Sein und Erkennbarkeit; sie steht somit noch über dem Sein (ἐπέκεινα ηῆς οσζίας). Dialektik: Erkenntnis des ἀ. durch Scheidung von allen anderen Formen. Höhlengleichnis: Wer die Form des α. geschaut hat, muss zurück in die Höhle (die Polis bedarf des Philosophenherrschers). Aber: Platon gibt in Rep. keine inhaltliche Bestimmung des ἀ. Tim.: Die überströmende Güte des Demiurgen ist Grund für die Schöpfung.
agathón (Aristoteles)
Kritik an Platon: keine universale Idee des Guten; „gut“ fällt in versch. Kategorien. Ethik (prakt. Phil.) getrennt von Ontologie (theoret. Phil.). Das höchste ἀ. ist Ziel allen Strebens und wird um seiner selbst willen erstrebt: für den Menschen ist das die εὐδαιμονία (Glück), v.a. die Muße (θεωρία). Für den Kosmos ist es Gott als Zweckursache aller Bewegg (Zweckursache = ηέλος = ἀ.).
agathón (Stoa)
Der Weise führt ein gutes und glückliches Leben durch den Besitz von ἀ.; das höchste Gut des Menschen: Leben in Übereinstimmung mit der Natur.
agathón (Epikur)
das höchste (und allen Lebewesen angeborene) ἀ. des Menschen ist die Lust und die Abwesenheit von Schmerz
agathón (Plotin)
ἀ. ident mit dem Einen: Ursprung und Ziel allen Seins; erkennbar nur durch negative Theologie und über die Analogie. Alles Seiende strebt nach dem ἀ.
agathón (Christentum)
ἀ. ist der persönliche Gott; das Böse als Privation des Guten (gegen den manichäischen Dualismus)
aretḗ (Sokrates)
Begründer der phil. Ethik (Kernaussage z.B. „Es ist besser, Unrecht zu erleiden als Unrecht zu tun, denn letzteres schadet der Seele“). ἀ. als ηέτνη (handlungsanleitendes Wissen). Tugend ist Wissen, also lehr- und lernbar; wer das Gute kennt, handelt danach; wer Schlechtes tut, handelt aus Unwissenheit.
aretḗ (Platon)
Zentralthema früher Dialoge (Lach. Prot., Euth., Rep.): Was ist Tugend? Rep. IV: Unterscheidung innere Handlung (die Seele ordnen) – äußere Handlung (die dann gerecht ist, wenn sie die Harmonie der Seele fördert). Idee der Gerechtigkeit: das Seinige tun (ηὰ ἑασηοὺ πράηηειν; Gegensatz: vielerlei treiben πολσπραγμονέω). 4 Kardinaltugenden entsprechend den drei Seelenteilen: Besonnenheit (ζωθροζύνη im Bezug auf begehrlichen Teil), Tapferkeit (ἀνδρεία im Bezug auf den mutartigen Teil), Weisheit (ζοθία im Bezug auf den vernünftigen Teil; Verbindung zw. den drei: Gerechtigkeit (δικαιοζύνη).
aretḗ (Aristoteles)
Fehlverhalten beruht nicht auf Unwissenheit, sondern auf Willensschwäche (ἀκραζία). Weg von der Ein-Tugend hin zu einer ganzen Reihe von Einzeltugenden, die in zwei Klassen zerfallen: dianoetische (geistige) Tugenden (zu erwerben durch Belehrung; z.B. Kunstfertigkeit, Wissen, Klugheit) und ethische Tugenden (zu erwerben durch Gewöhnung = ἦθος ; z.B. Tapferkeit, Großmut, Sanftmut). ἀ. ist die Mitte (μεζόηης) zwischen zwei Extremen (z.B. Tapferkeit die Mitte zw. Tollkühnheit und Feigheit). Ethik als πρακηικὴ ἐπιζηήμη: Es geht nicht um Wissen, sondern um gute Taten.
aretḗ (Stoa)
inheit der Tugenden: Wer über eine verfügt, verfügt über alle. ἀ. ist Wissen (ἐπιζηήμη), Schlechtigkeit (κακία), Unwissenheit (ἄγνοια). Der Besitz der Tugend allein garantiert Glück; sie ist das einzige wirkliche Gut, alles andere zählt nicht (ἀδιάθορα).
díkē
Die Gottheit D. (fließender Übergang Religion –> phil. Begrifflichkeit!), Tochter des Zeus mit Themis, Schwester der Eunomia und Eirene (Hesiod), ist „göttliche Gerechtigkeit“; Beisitzerin des richtenden Zeus, vollstreckt sie seine Sprüche. Parmenides nennt sie „gute Fügung“; bei Solon und Herodot „göttliche Vergeltung“, bei Heraklit eine lichtende, Unordnung aufspürende kosmische Ordnungsmacht. Sie schützt die Satzung der Polis, die sie verläßt, wo Rechtschaffenheit (δικαιóηης), Gerechtigkeit (δικαιοζύνη) und Rechttun (δικαιοῦν) mißachtet sind. Bei Euripides menschlich- umstrittene, erst bei Platon göttlich-vollkommene Gerechtigkeit.
díkē (Sophisten)
δ. ist bloße Konvention aus utilitaristischen Motiven.
díkē (Platon)
Gerechtigkeit als Kardinaltugend. Der Gerechte erhält seinen Lohn erst nach dem Tod (Rep. X, Mythos von Er).
díkē (Aristoteles)
EN V δ. unterschieden in distributiv und korrektiv; ἐπιεικεία
díkē (Stoa)
Gerechtigkeit als Kardinaltugend
eudaimonía
Wende zur Verinnerlichung. Zentralbegriff der philos. Ethik: εὐ. als ηέλος des Menschen (Selbstzweck; letztes Ziel allen menschlichen Handelns).
eudaimonía (Demokrit)
„Die εὐ. wohnt nicht in Herden noch in Gold; die Seele ist der Wohnsitz des δαίμων.“ (DK 68 B 171).
eudaimonía (Platon)
„Der Gerechte ist glücklich.“ (Rep. 353b-354a). Die Gerechtigkeit (δικαιοζύνη) sorgt für die Harmonie der Seelenteile (ἐπιθσμηηικόν, θσμοειδής, νοῦς). „Das sittlich beste Leben ist das glücklichste.“ (Leges 664c). Die höchste Erfüllung erlangt der Mensch in der intellektuellen Schau.
eudaimonía (Aristoteles)
Die εὐ. kann nicht bloß innere Disposition, sondern sie muss Tätigkeit sein. Zwei verschiedene Zugänge: 1. „inklusiver Begriff“ (εὐ. als Zweck, der in anderen Handlungen immer mit angestrebt wird): εὐ. erwächst aus der Betätigung der (Verstandes- wie der Charakter-) Tugenden. 2. „exklusiver Begriff“ (εὐ. wird eigens angestrebt): Die Betätigung des höchsten Vermögens (θεωρία) macht εὐ. aus.
eudaimonía (Stoa)
Autarkie der εὐ. durch Besitz der Tugend (ἀρεηή) = der Weisheit (ζοθία). Nicht-seelische Güter (Reichtum, Gesundheit, ...) haben keinen Einfluss auf die εὐ. und bleiben indifferent (ἀδιάθορα).
eudaimonía (Epikur)
εὐ. als statischer Zustand, der mit Lust verbunden und von Schmerz frei ist.
eudaimonía (Skeptiker)
Seelenruhe durch die Enthaltung von Urteilen.
eudaimonía (Plotin)
εὐ. als ekstatischer Zustand des vom Körper gelösten geistigen Selbst.
hēdonḗ (Sophistik)
Entleerung (κένωζιρ) eines Körperelements führt zu Ungleichgewicht  schmerzhafter Mangel (ἔνδεια)  Begehren (ἐπιθςμία, ὄπεξιρ)  Wiederauffüllung (ἀναπλήπωζιρ).
hēdonḗ (Kyrenaiker)
ἡ. ist das höchste Gut (ηέλορ); keine Unterschiede zwischen den Arten der Lust; körperliche Lust vorzuziehen. Später Differenzierung.
hēdonḗ (Platon)
zunächst (wohl im Anschluss an Sokrates) Gegner des Hedonismus (Lebensziel der permanenten Luststeigerung). Anders Prot,. Rep. IX: 3 Zustände: Schmerz (1), mittlerer Zustd (2), Lust (3); nur der Übergang von 2 nach 3 verschafft wirklich Lust, und zwar durch die Füllung einer Leere. Die Lüste des Verstandes sind besser als die Lüste des Körpers. Phil.: differenzierte Analyse der Lüste. Das gute Leben besteht in einer Mischung aus Lust und Vernunft. Wahre vs. falsche und reine (z.B. am Lernen) vs. gemischte (z.B. am Geruch) Lüste. Der Wert der ἡ. richtet sich nach ihrem Objekt.
hēdonḗ (Aristoteles)
Rhet. Anschluss an Platons Mangeltheorie. EN VII 11-14: ἡ. ist kein Gut. EN X 1-5: ἡ. ist kein Prozess (Werden od. Bewegung), sd eine Aktivität (ἐνέπγεια), die in jedem Augenblick vollkommen ist.
hēdonḗ (Epikur)
Empirische Grundlage: Sinneswahrnehmung ist Kriterium für Wahrheit – Gefühle (πάθη) von Lust und Schmerz. ἡ. ist natürlich und darum gut. 2 Arten: 1. kinetische ἡ.: Wiederherstellung des Gleichgewichts; 2. katastematische ἡ.: Abwesenheit von Schmerz und Verwirrung (–> ἀηαπαξία)
kalón (Platon)
die Definitionsversuche Hipp. I scheitern („das Angemessene“, „das Nützliche“, „das für die Sinne Angemessene“). Gorg. Körperlich Schönes ebenso wie schöne Handlungen erzeugen Lust und/oder Nutzen. Symp. Aufstieg von den schönen Leibern über schöne Handlungen und schöne Gespräche (seelische oder wiss. Schönheit) zur Urform des Schönen (immer und in jeder Hinsicht schön, rein, unvermischt und von einfacher Form), die „plötzlich“ erblickt wird. Eros als die motivierende Kraft des Aufstiegs. Phaidr.: Eros als „Wahnsinn“, ausgelöst durch die Wiedererinnerung an die göttliche Idee des Schönen.
kalón (Aristoteles)
„κ. ist ein mehrdeutiger Ausdruck.“ (Top.). Ästhetische Bedeutung (Rhet.). Ethische Bedeutung: Ein κ. ist ein Gut, das unter allen Umständen um seiner selbst willen erstrebenswert und dabei lobenswert ist (EE, Rhet.): „Der Tugendhafte wählt die tugendhafte Handlung um ihrer selbst oder um des κ. willen“ (EN, oft).
kalón (Stoa)
κ. ist Symmetrie: Schönheit des Leibes ist Symmetrie seiner Glieder; Schönheit der Seele ist Symmetrie des Logos und seiner Teile sowohl im Verhältnis zum Ganzen der Seele als auch der Teile untereinander.“ (Symmetrie bereits bei Platon u. Aristoteles).
kalón (Plotin)
Symmetrie ist weder hinreichend noch nötig für das κ. (Stoa-Kritik). Die Teile bedürfen nicht eines Verhältnisses, sd. müssen selbst schön sein. Eine Definition von κ. ist nicht möglich; stattdessen: Erfahrung durch die Seele. Etwas ist schön, weil es an der Form teilhat (die Materie ist das Hässliche). Tätigkeit des Künstlers ist nicht Nachahmung (vgl. Platon), sd. Hervorbringung der Form, die er in sich trägt.
philía
Zunächst: θ. als kosmologisches Prinzip der Ordnung.
philía (Empedokles)
θ. ist Ursache des Guten (im Gegensatz zum Streit als Ursache des Schlechten).
philía (Platon)
θ. gesellt nicht Gleiches zu Gleichem und auch nicht die Gegensätze zueinander; Aporie; ein „erstes Geliebtes“ trägt durch die Geliebten hindurch alle Freundschaft (Lys. 219d1). Das Schöne / das Gute selbst gewährt θ. in kosmischer, politischer u. personaler Hinsicht (Rep., Symp., Gorg. 507d ff.).
philía (Aristoteles)
Ausführliche Analyse (EN VIII, IX): θ. ist eine Tugend bzw. tugendgebunden; wichtiger als Gerechtigkeit. Aus einem anfänglichen Wohlwollen wird θ., wenn a) Wechselseitig- keit, b) Zusammenleben und c) Vertrautheit über längere Zeit hinzu kommen. 3 Arten: Nutz-θ., Lust-θ. und θ. der Guten. Letztere ist die vollendete Form: Wie sich der Gute zu sich selbst verhält, so auch zu seinem Freund, der ein anderes Selbst (ἕηερος αὐηός) ist. Für den Guten ist das eigene Sein ebenso erstrebens- wert wie das Sein des Freundes. θ. ist enorm politisch: sie hält die Polis zusammen und trägt deren Eintracht.
philía (Epikur)
Mit dem Niedergang der Polis tritt auch die θ. in den Hintergrund. Gehört zur εὐδαιμονία, obwohl die Motive zunächst egoistisch-hedonistisch sind.
philía (Stoa)
Wahre θ. ist nur unter Weisen möglich.
phrónesis
Zahlreiche Belegstellen für die Vortrefflichkeit des praktischen Wissens (7 Weise, Vorsokratiker, ...).
phrónesis (Sokrates)
Tugend *ist* Wissen und wird vom Wissen nicht nur begleitet.
phrónesis (Platon)
θ. oft als „Gedanke, Vernünftigkeit, Klugheit“ (v.a. Phil.). Dann θ. als „praktisches Wissen“: Tugend ist nur nützlich, wenn sie von θ. begleitet wird; θ. ist Tugend (entweder insgesamt oder ein Teil von ihr), weil sie durch die (Er)Kenntnis von Gut und Böse die sittl. Praxis sichert (Men., Prot.); vgl. „Kardinaltugenden“: θ. gleichbedeutend mit ζοθία als Tugend des νοῦς (Rep. IV). Und: θ. als noematisches Wissen, das durch den Leib gehindert wird, die Ideen zu schauen (Phaid., Rep. VI).
phrónesis (Aristoteles)
θ. als „andere Art des Wissens“ (Trennung der θ. von ζοθία bzw. theoret. Wissen): ist Verstandestugend und unter- scheidet sich durch seinen Gegenstand vom theoretischen Wissen 1. der Wissenschaft ἐπιζηήμη (kein Beweiswissen), 2. des intuitiven Geistes νοῦς (nicht die letzten Prinzipien des Geistes) und 3. von der beide vereinigenden Weisheit ζοθία. Tugendhaftes Handeln: Die charakterlichen Tugenden geben die Richtung vor, die θ. entscheidet als praktisches Wissen darüber, was hier und jetzt zu tun ist  θ. ist „cleverness“ (δεινόηης) bei erstrebenswertem Ziel. Nach Aristoteles (Epikur, Stoa, Christen) Bedeutungswandel hin zur Privatklugheit mit zunehmend instrumentellem Charakter.
anámnēsis (Platon)
Klärung einer erkenntnistheoretischen Grundfrage: Woher „wissen“ wir Formen (Dreiecke etc.), Ideen (gut, gerecht etc.), Rechenoperationen usw.? Verknüpfung mit pythagoräischer Seelenlehre.
anámnēsis (Sokrates)
Sokrates befragt einen geometrieunkundigen Sklaven nach der Lösung eines geometrischen Problems (Quadrat- Verdopplung; vgl. Rep. 510d). Durch Hinweise (nicht aber durch dogmatische Belehrung!; vgl. Tht. 150d; vgl. die maieutische Methode) findet der Sklave die Lösung alleine; und v.a.: Er kann selbst die richtige Lösung als richtige erkennen! Das geht aber nur, weil er eine Verbindung zwischen dem Gesuchten und seinem Vorwissen herstellt.
anámnēsis (Platon:Phaidon)
ἀ. als Nachweis für die Unsterblichkeit der Seele. Den Maßstab für unsere Beurteilung des Wahrnehmbaren entnehmen wir nicht den Objekten der Wahrnehmung, sondern nur anlässlich der Wahrnehmung. Z.B. die Idee der Gleichheit entnehmen wir nicht den Sinnendingen (die nie völlig gleich sind), sondern wir haben ein Vorwissen von Vollkommenem. Wir müssen schon vor der Geburt Kenntnis der Ideen gehabt haben.
anámnēsis (Aristoteles)
referiert die ἀ.-Lehre des Menon in seinen beiden Analytiken. Inhaltlich schließt er an (Erkenntnis als Prozess vom Vorwissen zum Wissen), ändert aber die Terminologie.
anámnēsis (Kant)
greift ausdrücklich auf Platon zurück, der mit der ἀ.- Lehre das Problem apriorischer Erkenntnis lösen wollte. „Anamnese“ (Medizin): kein antiker Terminus, sondern im 17./18. Jh. geprägt, nachdem seine Inhalte (Schilderung der Krankengeschichte durch den Kranken selbst) seit dem 15.Jh. wichtig werden.
érōs (Parmenides)
E. als erster der Götter ersonnen von der Urdämonin (DK 28 B 13)
érōs (Empedokles)
das zur Einheit bewegende Prinzip (φιλία, nicht ἐ.).
érōs (Platon:Symposion)
Verherrlichung des ἐ. in sechs Lobreden. Aristophanes: Mythos vom Kugelmenschen. Sokrates (Rede der Diotima): E. ist ein Zwischenwesen zw. Armut und Reichtum, Gott und Mensch, Weisem und Unwissendem (φιλό-σοφος). Über die schönen Körper, schönen Handlungen und schönen Gespräche (Wissenschaften). Aufstieg zur Schau der Urform des Schönen; ἐ. als treibende Kraft.
érōs (Platon:Phaidr)
Gegen eine Rede des Lysias (Thema: „Warum der Umgang mit Nichtverliebten vorzuziehen sei“). Der ἐ. ist ein von den Göttern geschenkter Wahnsinn, der dazu dient, die Wahrheit und die Unsterblichkeit der Seele wiederzufinden.
érōs (Epikur)
ἐ. zerstört die Seelenruhe (ἀταραξία)
érōs (Plotin)
Vom sichtbar Schönen (dessen Wesen nicht Harmonie ist, sondern Einfachheit) über Handlungen und Wissenschaft Reinigung der Seele und Aufstieg zur Schau; aber: Philosophie ist nicht mehr Dialog der Liebenden, sondern der „Flug“ des Einsamen zum Einsamen.
mathēmatiká
μάθημα: entweder die in der Seele anwesenden (Fach-)Kennt- nisse (Platon Rep. VI 505a2, VIII 560b8; die Idee des Guten als μέγιστον μάθημα Rep. 505a ) oder eine Teildisziplin bzw. im engeren Sinn die heutige Mathematik plus Teilgebiete (Arithme- tik, Geometrie, Astronomie, Harmonik = Quadrivium – vgl. Rep. VII 525b-531c). Bereits mit Aristoteles (z.B. Metaph. I 9, 992a32) setzt die Begriffs-Verengung ein.
mathēmatiká (Pythagoräer)
waren angeblich überzeugt, die μ. seien in den Dingen als deren Prinzip (ἀριθμός als ἀρχή).
mathēmatiká (Platon)
μ. besitzen angeblich eine Zwischenstellung zw. Ideen und Sinnesdingen, weil sie mit diesen die Unbeweglichkeit und Ewigkeit, mit jenen die Vervielfältigung gemeinsam haben (zitiert bei Arist. Metaph. I 6, 987b14-18); unsicher, ob Plat. das behauptet hat (Liniengleichnis könnte so verstanden werden).
mathēmatiká (Aristoteles)
Die Abstraktion (ἀφαίρεσις) stellt die Zahlen vor, als ob sie getrennt (χωριστόν) existierten – tun sie aber nicht.
pólis
Das alte Wort πόλις bezeichnet (physisch) den von Mauern umgebenen und zumeist am Meer gelegenen Stadtstaat unterhalb einer Akropolis sowie (geistig) die eigentümliche Form griechischer Staatlichkeit (Begriff f. sonstige Staatsformen: ἔθνος); öffentliche vor häuslicher Existenz; politisch handelt, wer im Sinne des Ganzen handelt.
politeía
meint die Lebensweise (Selbstorganisa- tion) der Gemeinschaft bei Identität von Bürgerschaft und Staat. Sie ist die „Seele der Stadt“ und begründet deren Gesetze. Gängige Frage: Welche ist die beste?
pólis (Platon)
Die Stadt entsteht aus den besonderen Bedürfnissen des Mängelwesens Mensch. Während man zunächst nur zusammenwohnt und einander unterstützt, verhilft die Arbeitsteilung der Polis später zur Autarkie. – Rep. VIII + IX: polit. Psychologie: Zusammenhang Regime – ethische Haltung. Anzahl der Herrschenden als Unterscheidungskriterium; Auffinden der geeigneten πολιτεία als größte Leistung des Philosophen. Rep.: Problem der Gerechtigkeit am Maßstab der πόλις; Gemeinwirtschaft, Gleichberechtigung der Geschlechter, öffentliche Erziehung, Philosophenkönig.
pólis (Aristoteles)
Die πόλις ist naturgegebene, zur ethischen Vervollkommnung notwendige und vollkommene Form des Zusammenlebens; sie ist um des Überlebens willen entstanden, besteht aber um des guten Lebens willen weiter. Arbeitsteilung: viele verschiedene Berufe nötig. Einheit der Stadt durch Erziehung, Gewöhnung, Philosophie und Gesetze. – Frage nach der rechten πολιτεία führt zur Glückseligkeit (das Beste für den Einzelnen ist auch für die Gemeinschaft das Beste – Konvergenz von Ethik und Politik). Staatsformen (ähnlich wie bei Platon): Königtum (vs. Tyrannis), Aristokratie (vs. Oligarchie), Politie (vs. Demokratie). Die Verfassung bestimmt über 5 Bereiche: Volksversammlung, Regierung, Rechtsprechung, Waffenausrüstung, Gymnastik.
pólis (Polybios)
Verfassung entscheidet alles; natürliche Abfolge der Regime, immer eingeleitet durch einen Umbruch (στάσις)
pólis (Scholastik)
praktische Wissenschaft in drei Teilen: 1. ethica solaria, 2. oeconomica, 3. politica; pol. steht hinter den spekulativen Wiss, zurück, steht aber bei den praktischen Wissenschaften als gesetz- gebende an oberster Stelle; gilt als Teil der Klugheit (pars prudentiae)
pólis (Hobbes)
das Politische (im Gegensatz zum Natürlichen) ist die Unterwerfung der Einzelwillen. 17. u. 18. Jh.: Nebeneinander von P. im Sinne von «prudentia architectonica» («Staatslehre») und P. im Sinne von «prudentia administrativa» («Regierkunst»).
sophistḗs
Im Mittelpunkt der Belehrung: Steigerung der Durchsetzungskraft (privat, juridisch, politisch) Erzieher zur Lebenstüchtigkeit (ἀρετή).
sophistḗs (Protagoras)
„Der Mensch ist das Maß aller Dinge, der seienden, dass sie sind, der nicht seienden, dass sie nicht sind.“ (DK 80 B 1).
sophistḗs (Gorgias)
Rhetorik als universelles Medium sophistischer Kunst („das schwächere Wort zum stärkeren machen“): Dichterkritik, Etymologie, Semantik, Grammatik, Stil, Dialektik, Eristik, Argumentations-, Figuren-, Affekten-und Toposlehre. Ethik: Alles wird hinterfragt (Sitten, Recht, Erziehung, Herrschaft, Götter); Natur (φύσις) vs. Satzung = Willkür (θέσις, νόμος); das Recht des Stärkeren (anfangs aber weiterhin tugendorientierte Einstellung). Religion: Götterglaube Erfindung eines Politikers als Ab- schreckung vor Verbrechen. Skepsis: Verzicht auf objektives Wissen. Kriterium: Übereinstimmung mit der herrschenden Meinung, Angemessenheit in der Situation, Nutzen im Hinblick auf Ziel.
aítion (Platon)
Das αἰ. muss erklären, wieso eine Sache so am besten geordnet ist, wie sie geordnet ist. Unterscheidung planender (ordnender) νοῦς und Mitursache (ζσναίηιον) – Phaid. 95d-99d, Tim. 46c-47e, Leg. 942c. Ideen als αἰηίαι (Phaid.)
aítion (Aristoteles)
αἴ. synonym verwendet mit ἀρτή (vgl. Metaph. V 1, 1013a16). Lehre von den vier Ursachen (keine Typen, sondern Antworten auf die Frage, wodurch = διὰ ηί etwas so ist, wie es ist (Phys. II 3 194b-195a, Metaph. I 3, 983a, Metaph. V 2, 1013a-14a): 1. Material (ὕλη, causa materialis) 2. Form (εἶδος, ηὸ ηί ᾖν εἶναι, causa formalis) 3. Bewegungsursache (κινοῦν, causa efficiens) 4. Zweck (ηέλος, causa finalis)
aítion (Stoa)
Das Schicksal (εἱμαρμένη) lenkt die Welt als eine Verknüpfung von αἰ.; dennoch kein strikter Determinismus.
dýnamis
2 Bedeutungsstränge: 1. „Kraft“; 2. „Potentialität“
dýnamis (Platon)
δ. als medizin. Fachausdruck (Phaidr. 370c-d) und in Beziehung zu den vier Elementen (Tim. 33a).
dýnamis (Aristoteles)
δ. im kinetischen Sinn: die Elemente schlagen nach dem Schema von Tun/Leiden (ποιεῖν / πάζτειν) ineinander um (Metaph. IV 15, IX 1). δ. im ontolog. Sinn: das Seiende in der Seinsweise der Möglichkeit = Potentialität (Metaph. VII 6, 1045b ff), z.B. das Holz, in dem der Möglichkeit nach bereits die Statue liegt; die Wirklichkeit (ἐνέργεια) hat logisch und ontologisch Priorität (z.B. kann der Same des Baumes nur aus Form und Wirklichkeit des fertigen Baumes verstanden werden).
dýnamis (Stoa)
die Lebenskraft (ζωηικὴ δ.) durchwirkt alle Schichten des Kosmos vom „Unbelebten“ bis zum Menschen; alles ist verbunden durch ζσμπάθεια.
enérgeia (Aristoteles)
ἐνέπγεια als Gegenbegriff zu δύναμιρ; beide können nicht definiert werden, sondern nur exemplifiziert. Während κίνηζιρ wesentlich unvollkommen ist (ein Prozess hin zu einem außerhalb seiner befindlichen Ziel = Entwicklung, z.B. Werden oder Genesung), ist ἐ. vollkommen (nicht Prozess, sondern Aktivität = ππᾶξιρ ηέλεια, z.B. Erblicken) (1048b). Ableitung aus dem Werk (gedacht als Funktion) als dasjenige, wozu das Ding naturgemäß Anlage (δύναμιρ) hat (ἐ. als Im-Werk-sein). Das Werk ist Ende und Zweck des Dinges (s.u.). ἐ. ist logisch (Definition), zeitlich und ontologisch (Substanz) vorrangig gegenüber dem Vermögen. Metaph. XII 6: Das Wesen (οὐζία) Gottes ist ἐ.: Wirklichkeit ohne unverwirklichte Mögl.keit, Beweger, der selbst keine Veränderung (Bewegung) erfährt; höchste Tätigkeit, die immer schon am Ziel ist. — /
entelécheia
normaler Weise ident mit ἐνέπγεια. Einzige Abweichung in Metaph. 1050a: der Status der Wirklichkeit (ἐνέπγεια)„tendiert hin“ zum Status der „Vollkommenheit“ (ἐνηελέσεια). Auffällig sonst nur noch De an. II 412a: „Die Seele ist die erste Entelechie eines mit entsprechenden Organen ausgestatteten natürlichen Körpers.“
katēgoría (Platon)
erste inhaltliche Versuche (ohne Terminus κ.): Was eine Sache sei und wie beschaffen sie sei, muss unterschieden werden (Prot. 361a, Men. 71b); auch zu unterscheiden sind Eigenschaften, die nur durch den Bezug zu einer anderen Sache zukommen (Symp. 211a).
katēgoría (Aristoteles)
10 Kategorien (Cat. 1b-2a, Top. I 9, Anal. Post. 83a): Substanz (ηί ἐζηί, ηόδε ηι, οὐζία), Quantität (πόζον), Qualität (ποῖον), Relation (πρός ηι), Ort (ποῦ), Zeit (ποηέ), Lage (κεῖζθαι), Haltung (ἔχειν), Aktion (ποίειν), Affektion (πάζχειν). Erste Kategorie ist die Substanz, weil alles, was durch die anderen Kategorien ausgesagt wird, ontologisch von ihr als Zugrundeliegendem abhängig ist; auch erste οὐζία genannt. Die ontologischen Implikationen werden an anderer Stelle näher untersucht (Metaph. IV 2, V 7, VII 1).
katēgoría (Xenogrates)
Zusammenfasung auf 2 Kategorien („an sich“ und „bezüglich“).
katēgoría (Stoa)
Zusammenfassung auf vier Kategorien erwogen (Zugrundeliegendes, Qualität, Disposition, relative Disposition).
katēgoría (Plotin)
5 intellegible Kategorien (Seiendes, Beständigkeit, Bewegtheit, Selbigkeit, Verschiedenheit), 5 sinnliche Kategorien (Substanz, Quantität, Qualität, Bewegung, Relation).