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2 Forschungsfragen, -design, -prozess


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Charakter empirischer Sozialforschung
Keine Patentrezepte (außer bei regelmäßigen Routineerhebungen). Immer wieder neues Untersuchungsdesign für jeweilige Fragestellung.
Exploration
Beschaffung empirischer Basisdaten. Relativ neues Problemfeld. Nur grob abgegrenzt. Wenig strukturiert. Möglichst offen. Wenig oder nicht standardisiert. Möglichst umfassend.
Erhebungsinstrumente einer explorativen Untersuchung
Leitfadengespräche, Gruppendiskussionen, freie (wenig systematisierte) Beobachtungen.
Diagnose
Möglichst exakte quantitative Beschreibung. Komplexer Sachverhalt. (Rahmen-)Wissen existiert bereits. Untersuchungsthema genau abgegrenzt. Hoch standardisierte Erhebungsinstrumente.
Statisches Erkenntnisinteresse
Vs. dynamisches. Bezug auf einen bestimmten Zeitpunkt. Einmalige Datenerhebung genügt. Querschnittstudie.
Dynamisches Erkenntnisinteresse
Vs. statisches. Bezug auf (kurz-, mittel-, langfristige) Entwicklungen und Veränderungsprozesse. Erhebungen längerfristig oder zu verschiedenen Zeitpunkten. Längsschnittstudie.
Panel-Analyse
Wiederholte Datenerhebungen immer wieder bei den gleichen Untersuchungseinheiten. Bsp.: SOEP (repräsentative sozio-ökonomische Längsschnittstudie in BRD privater Haushalte im jährlichen Rhythmus).
Komparativ-statische Analysen
Wiederholte Erhebungen bei jeweils neuen Untersuchungseinheiten. Vergleich statistischer Merkmalsverteilungen. Bsp. ALLBUS (Allgemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften), Eurobarometer, jeweils zweijährlich.
Trend- oder Zeitreihenanalyse
Möglich, wenn Daten aus hinreichend vielen Wiederholungszeitpunkten zur Verfügung stehen.
Realzeituntersuchung
Datenerhebung findet zeitgleich mit den zu beschreibenden Ereignissen statt.
Ex-post-facto-Untersuchung
Ermittlung der Informationen im Nachhinein. Rekonstruktion der Abfolge von Ereignissen und Situationen, z.B. durch Auswertung von Dokumenten aus dem in Betracht kommenden Zeitraum oder durch Sekundäranalyse früher erhobener Daten, Interviews mit Zeitzeugen.
Designtypen deskriptiver Forschung
Erhebung von Daten im sozialen „Feld“: Exploration, Diagnose, Evaluation vs. Entwicklung oder Tests wissenschaftlicher Theorien/Hypothesen, empirische Entscheidung über die Angemessenheit konkurrierender Theorien.
Laboruntersuchungen
Forschungen in künstlich geschaffenen Situationen. Forschungsdesign im Allgemeinen das Experiment.
Evaluationsstudie
Erkenntnisinteresse darauf gerichtet, den (Miss-) Erfolg einer Maßnahme bzw. eines Handlungsprogramms auf Basis empirischer Daten zu beurteilen.
Prognose
In die Zukunft gerichtetes Erkenntnisinteresse. Besonders oft bei anstehenden Entscheidungen über das Weiterverfolgen technologischer Entwicklungen und Programme.
Technikfolgen- bzw. Technologiefolgen-Abschätzung (TA)
Forschungstyp mit vielfältigen Differenzierungen und Schwerpunkten. Basieren auf Evaluationsstudien mit Prognose.
Dimensionen eines Forschungsprojektes
Feld/Labor. Grundlagen-/anwendungsbezogen. Statisch/dynamisch. Designtypen: hypothesenerkundend/-prüfend. Forschungsrichtung: z.B. analytisch-nomologisch/qualitativ.
Unterschied zwischen qualitativen und quantitativen Ansätzen
Häufig gleiche traditionelle Instrumente, lediglich gering standardisiert, ggf. leicht abgewandelt. Unterschied bei der Entwicklungslogik nur graduell.
Entscheidungen im Forschungsprozess
Reihenfolge idealtypisch, in der Realität Überschneidungen, Sprünge, Rückkopplungen. (a) Entdeckungs-/ Verwertungsinteressen. (b) Präzisierung der Problemformulierung, dimensionales Analyse. (c) Begriffe. (d) Einordnung in vorhandene Kenntnisse, Hypothesen, Forschungsdesign. (e) Indikatoren. (f) Differenzierungsgrad, Messinstrumente, Operationalisierung. (g) Merkmalsträger, Grundgesamtheit, Stichprobe. (h) Datenerhebung, Aufbereitung. (i) Informationsverdichtung. (j) Ergebnisinterpretation, Diskussion. (k) Dokumentation, Präsentation.
Postulat der Werturteilsfreiheit, Wertneutralitätspostulat
Max Weber. 1904. Bezug ausschließlich auf Begründungszusammenhang. Werturteile sind empirisch nicht begründbar. Beschränkung auf methodologisch begründbare und intersubjektiv nachprüfbare Aussagen.
Begründungszusammenhang
Methodologische Schritte, mit deren Hilfe das Problem untersucht werden soll.
Relativierung der Werturteilsfreiheit
In der Praxis auch wissenschaftsexterne Wertungen (aus Entdeckungs- und Verwertungszusammenhang) und subjektive Überzeugungen. Orientierende Perspektive. Offenlegung aller Wertbezüge und Erkenntnisinteressen.
Deduktiv-nomologisches Erklärungskonzept von Hempel und Oppenheim (H-O-Schema, DN-Schema) 1948.
Unterstellung von Kausalität. (1) Explanans. Es gilt (mindestens) ein nomologisches Gesetz. Ursache-Wirkungs-Prinzip. Erklärendes Argument. Wenn A und B, dann C. (2) Die in der Wenn-Komponente genannten Randbedingungen sind erfüllt. Vorliegende Ursache. A und B liegen vor. (3) Explanandum. Singulärer Satz, der den zu erklärenden Sachverhalt beschreibt. Eingetretene Wirkung. C liegt vor.
Adäquatheitsbedingungen für wissenschaftliche Erklärung (vs. „Alltagserklärung) singulärer Ereignisse
(1) Explanandum muss aus dem Explanans korrekt gefolgert sein. (2) Explanans enthält mindestens ein (empirisches) Gesetz und beschreibt Randbedingungen. (3) Explanans muss empirischen Gehalt haben (überprüfbar sein). (4) Sätze des Explanans müssen wahr sein bzw. sich bewährt haben.
Struktur des Argumentationstyp „Prognose“
(1) + (2) = ? Das Explanandum ist vorherzusagen
Struktur des Argumentationstyp „Technologische Aussagen“
Das Explanandum (3) ist das zu erreichende Ziel. Gesucht sind geeignete Gesetze (1), die dieses in der Dann-Komponente enthalten. Die Wenn-Komponente (2) wird zu ihrer Erreichung gezielt verändert.
Ziele theorie-/hypothesentestender Untersuchungen
Testung einer früheren ad hoc Dateninterpretation auf allgemeinere Geltung. Empirische Entscheidung zwischen „konkurrierenden“ Hypothesen. Härterer Test für empirisch „bewährte“ Theorien.
Verfahrenslogik einer theorie- oder hypothesentestenden Untersuchung
Aussage (1) ist die zu prüfende Hypothese. Gesucht sind Situationen, in denen Wenn-Komponente (2) als Randbedingung vorliegen. Beobachtet wird, ob aus Dann-Komponente (3) ableitbare Sachverhalte empirisch auftreten.
Methodologische Überlegungen zum Design einer theorie-/ hypothesentestenden Untersuchung
Argumentationstyp. Es werden theoretische (abstrakte) Basissätze aus der Hypothese abgeleitet, die dann mit (konkreten) Beobachtungsaussagen (empirischen Basissätzen) verglichen werden. Die theoretischen Basissätze sind potentielle Konfirmatoren bzw. Falsifikatoren.
Problematik bei der Argumentation der theorie-/ hypothesentestenden Untersuchung
Basissatzproblem: Basissatz muss „wahr“ sein, ist jedoch von Wahrnehmung des Beobachters beeinflusst. Korrespondenzproblem: semantische Lücke zwischen theoretischen Begriffen der Hypothese (Phänomen) und Beobachtungsbegriffen (Indikatoren), die mit geeigneten Verknüpfungsregeln geschlossen werden muss.
Grenze bezüglich der Definition von Indikatoren bzw. des Idealfalls ihrer Raum-Zeit-Unabhängigkeit
Eine von Hypothese bzw. Theorie unabhängige (sozusagen „objektive“) Operationalisierung eines theoretischen Begriffs ist nicht möglich, sie hängen unauflösbar miteinander zusammen.
Verfahrenslogik eines Experiments / quasi-experimenteller Ansätze
Mit der Maßnahme (Treatment) werden Randbedingungen (2) realisiert. Beobachtung der resultierenden Wirkungen (3) auf die Vpn. Nach mehrfacher Wiederholung Ablesen des Ursache-Wirkungs-Prinzips (1).
ceteris paribus (c.p.)
Systematische Variation des Treatments, während alle sonstigen Bedingungen konstant bleiben inklusive Kontrolle von anderen Einflussgrößen (Anforderung 1). Dieser Zusammenhang ist Basis für die differenzierte Formulierung des Ursache-Wirkungs-Prinzips (empirisches Gesetz).
Methodologische Überlegungen zum Design eines klassischen Experiments
Gestaltung und Kontrolle der Untersuchungssituation. Schaffung von Bedingungen, in denen NUR das Ursache-Wirkungs-Prinzip zwischen Maßnahme und Effekt zur Geltung kommen kann. Ceteris paribus (Anforderung 1) und geeignete identische Vergleichssituation ohne Wirkung des Treatments (Anforderung 2).
Charakteristika eines sozialwissenschaftlichen Experiments (Menschen Vpn als Untersuchungsobjekte)
Experimentalgruppe G1, äquivalente Kontrollgrupe G2, Messung der Ausprägungen der abhängigen Variablen in beiden Gruppen vor und nach dem Zeitpunkt des Treatments. Bei Unterschieden nach dem Treatmentzeitpunkt werden diese als Effekte interpretiert.
Prototyp des sozialwissenschaftlichen Experiments
Labor-Experiment: gezielte Zusammensetzung der Gruppen (Randomisierung) und Kontrolle der Einflussgrößen.
Randomisierung
Schichtung der Versuchspersonen nach bedeutsamen Merkmalen (Äquivalenz), danach zufällige Zuweisung zu Experimental- und Kontrollgruppe (Ausschalten systematischer Verzerrungen). NICHT Zufallsauswahl der Experimentteilnehmer (meist Freiwillige).
Versuchskaninchen-Effekt
Veränderungen werden bereits vor dem Treatment durch die Messung in Gang gesetzt.
Ergänzung des Zweigruppen-Designs G1 und G2
Verzicht auf den Vorgang des Messens vor dem eigentlichen Treatment bei Experimentalgruppe G3 und Kontrollgruppe G4, um den Versuchskaninchen-Effekt zu kontrollieren.
Nachteil von Laborexperimenten
Realitätsferne durch künstliche Situationen. Ausblenden aller anderen möglichen Einflussgrößen (engl. screening). Widerspricht fast allen realen sozialen Situationen.
Experimentelle Politik
Beabsichtige politische Maßnahmen werden zunächst versuchsweise in begrenztem Rahmen mit wissenschaftlicher Begleitung durchgeführt. Erst aufgrund der so gewonnenen Erfahrung wird endgültig entschieden.
Ziele von Feldexperimenten (Quasi-Experimente)
Übertragung und Realisierung der Logik des klassischen Experiments auf Untersuchungsanordnungen im sozialen Feld.
Grenzen bei der Durchführung von Quasi-Experimenten
Randomisierung, Existenz von Kontrollgruppen, Vorher-Messungen, Kontrolle der Treatments, Abschirmung von unbeabsichtigten Einflussgrößen
Ersatzlösungen bei der Durchführung von Quasi-Experimenten
Vergleiche mit Situationen, in denen Maßnahme nicht durchgeführt wird. Statt „Vorher-Messungen“ Daten aus früheren Zeiträumen. Messung externen Einflussgrößen bei nicht-möglicher Abschirmung.
Bedeutung des Begriffs Evaluation
(1) Spezifische Fragestellung: Bewertung eines Sachverhalts oder Handelns auf Basis empirischer Informationen. (2) Spezifisches Design (Untersuchungsansatz): Programm (zu evaluierendes Handeln und eingesetzte Instrumente) und die bewirkten Effekte werden in methodisch kontrollierter Weise miteinander in Beziehung gesetzt und aus der Perspektive der Handlungsziele auf ihren Erfolg hin bewertet.
Definition Programm in der Sozialwissenschaft
Komplexe Handlungsmodelle, die auf die Erreichung bestimmter Ziele gerichtet sind, auf bestimmten, den Zielen angemessen erscheinenden Handlungsstrategien beruhen und für deren Abwicklung finanzielle, personelle und sonstige administrative Ressourcen bereitgestellt werden.
Verfahrungslogik einer Programm-Evaluation
Programmziele stellen angestrebte Situation dar (3), Maßnahmen als Eingriffe in gegenwärtige Randbedingungen (2). Art und Weise, wie eingegriffen werden soll, beruht auf Annahmen über Ursache-Wirkungs-Prinzipien (1).
Monitoring
Erfassung der Veränderungen der Randbedingungen (vorhergesehene und unvorhergesehene aus der Programmumwelt) während der Programmlaufzeit eines (Quasi)Experiments. Begleitende Buchführung.
Wirkungszurechnung
Entscheidung, ob und in welcher Höhe festgestellte Veränderungen der Zielvariablen (= Unterschiede zwischen den Zeitpunkten t0 und t1) durch die Maßnahmen des Programms bewirkt wurden oder ob sie auf programmexterne Umwelteinflüsse zurückführbar sind.
Bewertungsteil der Evaluationsforschung
Einschätzung der Effektivität eines Programms anhand der festgestellten Effekte. Als Maßstab dafür gelten die Programmziele als beabsichtigte Effekte.
Definition „erfolgreich“ eines Programms
Die getroffenen Maßnahmen beeinflussen die Zielvariablen in der gewünschten Richtung und in der gewünschten Stärke.
Evaluationstypen nach Gegenstand der Evaluation
Wirkungsanalysen. Implementationsforschung. Akzeptanzforschung.
Evaluationsdifferenzierung hinsichtlich ihres Zeitpunkts
Begleitend / formativ (Rückkoppelungen von Ergebnissen in das Projekt). Abschließend / summativ (zusammenfassend im Nachhinein).
Survey-Modell
Allgemeinste und methodisch umfassendste Untersuchungsanordnung zur Beschreibung und Diagnose eines interessierenden sozialen Sachverhalts zu einem Zeitpunkt.
Ziele deskriptiver Untersuchungen
Entscheidungsvorbereitung. Diagnose. Exploration. Illustration. Gesellschaftliche Dauerbeobachtung. Meinungsforschung / Demoskopie. Marktforschung. u.a.